Ein ehrliches Wort an unsere Kunden
Wir werden in unserem Geschäft und über unsere Website regelmäßig nach Premium-E-Dreirädern gefragt. Ein Modell steht dabei besonders oft im Fokus: das Hase Kettwiesel ONE. Da es seit dem Jahr 2026 offizielle Hilfsmittelnummern besitzt, hoffen viele Betroffene auf ein „Fahrrad auf Rezept“, das fast vollständig von der Krankenkasse bezahlt wird.
Wir haben uns nach reiflicher Überlegung jedoch ganz bewusst dazu entschieden, das Kettwiesel ONE nicht (nur wegen der Hilfsmittelnummer) in unser festes Sortiment aufzunehmen.
Das mag auf den ersten Blick überraschen – schließlich ist das Kettwiesel technisch ein faszinierendes Fahrzeug. Als Fachhändler tragen wir aber Verantwortung für die Zufriedenheit unserer Kunden nach dem Kauf. Warum wir glauben, dass der Weg über das Krankenkassen-Rezept bei diesem Modell oft zu Enttäuschungen führt, möchten wir hier ganz offen und ungeschönt erklären.
1. Das „12-km/h-Dilemma“: Kastrierte Mobilität im Alltag
Damit ein E-Dreirad die Hilfsmittelnummer der Krankenkassen behält, muss der Motor werkseitig auf maximal 12 km/h gedrosselt sein. In den Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Produktgruppe 22 ist unumstößlich festgelegt: Die Motorunterstützung für diese Fahrzeugklasse darf maximal 12 km/h betragen. (22.51.04.0009 KETTWIESEL ONE REHA)
In unseren Beratungsgesprächen stellen wir immer wieder fest: Für viele fitte Erwachsene, die durch eine Erkrankung (wie MS, Parkinson oder Schlaganfall-Folgen) körperlich eingeschränkt sind, ist diese Geschwindigkeit im Alltag eine massive Bremse. Man wird auf dem Radweg selbst von Fußgängern im Stechschritt oder gemütlichen Hollandrädern überholt. Ausflüge mit dem Partner oder Freunden, die auf normalen 25-km/h-E-Bikes sitzen, werden so fast unmöglich.
Als Händler möchten wir dir die volle Freiheit der Mobilität verkaufen – und kein Fahrzeug, das dich auf langen Strecken frustriert.
(Hinweis: Ein nachträgliches Entdrosseln auf 25 km/h ist illegal. Fliegt dies bei einem Unfall auf, erlischt der Versicherungsschutz und die Krankenkasse fordert die rund 8.000 € Fördergelder komplett zurück.)
2. Der bürokratische Papierkrieg (Und warum wir kein Sanitätshaus sind)
Die Hilfsmittelnummer ist kein Gutschein. Die Erfahrung zeigt, dass die gesetzlichen Krankenkassen Anträge für solche Premium-Dreiräder im ersten Schritt fast immer pauschal ablehnen.
Es folgt ein zäher Kampf: Widersprüche, erneute Arztberichte und Begutachtungen durch den Medizinischen Dienst (MD). Dieser Prozess zieht sich oft über viele Monate oder sogar ein Jahr. Als spezialisierter Fahrrad-Fachhändler liegt unsere Kernkompetenz in der technischen Beratung, der perfekten Anpassung des Rades und dem Werkstatt-Service. Wir sind kein Sanitätshaus und können diesen bürokratischen Abrechnungskrieg mit den Kassen nicht in der Tiefe begleiten, die du als Kunde verdient hättest.
3. Versteckte Kosten: Der „Gratis-Traum“ trügt
Viele Kunden kommen mit der Vorstellung zu uns, das Rad komplett kostenlos zu erhalten. Bei Erwachsenen ziehen die Kassen jedoch fast immer eine Pauschale für den sogenannten „Vorteil des täglichen Bedarfs“ (ca. 250 bis 500 Euro) ab. Zudem zahlt die Kasse nur die absolute medizinische Basis-Ausstattung.
Möchtest du eine höherwertige Schaltung, ein praktisches Regenverdeck oder Komfort-Zubehör, musst du jede dieser Aufzahlungen komplett selbst finanzieren. Am Ende bleibt oft ein spürbarer Eigenanteil für ein Rad, das dennoch auf 12 km/h gedrosselt ist.
4. Das Problem mit der „medizinischen Basis-Ausstattung“
Wer bereit ist, den bürokratischen Weg zu gehen und mit der gemütlichen Reisegeschwindigkeit von 12 km/h absolut zufrieden ist, hofft oft auf ein rundum sorgloses Komplettpaket. Die Realität bei den Krankenkassen sieht jedoch anders aus: Bezahlt wird im Regelfall nur die absolute medizinische Basis-Ausstattung.
Sonderwünsche wie eine bessere Schaltung oder praktisches Zubehör müssen privat bezahlt werden, wodurch trotz Kassen-Zulassung ein Eigenanteil für ein weiterhin auf 12 km/h gedrosseltes Rad bleibt.
Unser Fazit und unsere Alternativen für dich
Das Hase Kettwiesel ONE ist ein hervorragendes Fahrzeug für Menschen, die eine sehr spezifische, therapeutische Betreuung im reinen Nahbereich suchen und den bürokratischen Weg über ein spezialisiertes Sanitätshaus gehen möchten.
Unser Ansatz im Laden ist ein anderer: Wir setzen auf die volle Mobilität. Wenn du die Freiheit eines uneingeschränkten E-Dreirads mit bis zu 25 km/h Unterstützung suchst – ohne den Daumen der Krankenkasse auf dem Steuergerät – beraten wir dich gerne zu unseren privat finanzierbaren Modellen oder den attraktiven Möglichkeiten des JobRad- / Dienstrad-Leasings. Damit fährst du flexibel, schnell und ohne bürokratischen Stress. Wir setzen auf die volle Mobilität. Wenn du die Freiheit eines uneingeschränkten E-Dreirads mit bis zu 25 km/h Unterstützung suchst, bieten wir dir in unserem Laden in Alt Farpen großartige, komfortable Alternativen. Teste bei uns zum Beispiel das HP Velotechnik Delta tx mit dem, idealen Bafang Antrieb der auch tretschwache Beine bestens unterstützt, ab 2027 auch als Modell mit Unterlenker.
Für lange Entdeckungstouren an der Ostsee das vollgefederte ICE Adventure HD . Bei uns kannst du die Räder im Urlaub ausgiebig mieten und testen, bevor du dich entscheidest.
Zu uns kommen Kunden aus ganz Deutschland an die Ostsee um die echten 25-km/h-Alternativen (wie das Delta tx) im Urlaub tagelang im echten Alltag zu testen.
Komm gerne für eine ehrliche Beratung und eine Probefahrt bei uns vorbei!
📋 Infobox: Das Hase Kettwiesel ONE auf Rezept?
Offizielle Hilfsmittelnummern (GKV-Verzeichnis):
-
-
- Kettwiesel ONE REHA (Untenlenker): 22.51.04.0009
- Kettwiesel ONE UP REHA (Obenlenker): 22.51.04.0008
-
Die wichtigsten Vorteile (Pro):
-
-
- Hohe Ersparnis: Krankenkassen übernehmen bei Bewilligung den Großteil der Anschaffungskosten (oft über 8.000 €).
- Medizinischer Nutzen: Gelenkschonendes Mobilitäts- und Aufbautraining direkt im Alltag.
- Sicherer Stand: Kein Umkippen im Stand, ideal bei Gleichgewichtsstörungen.
- Hervorragender Komfort: Ergonomischer Netzsitz entlastet Wirbelsäule und Gelenke.
-
Die wichtigsten Hürden (Contra):
-
-
- Geschwindigkeits-Limit: Der Motor ist gesetzlich streng auf maximal 12 km/h gedrosselt.
- Bürokratie: Hohe Wahrscheinlichkeit einer Erstablehnung mit der Notwendigkeit eines Widerspruches.
- Eigenanteil: Gesetzliche Zuzahlung und eine Gebrauchsgegenstand-Pauschale (ca. 250 € bis 500 €) müssen selbst gezahlt werden.
-
- „Die Mär von der Hilfsmittelnummer“ bezeichnet den weit verbreiteten Irrtum, dass eine Krankenkasse die Kosten für ein Hilfsmittel nur dann übernehmen darf, wenn dieses eine offizielle 10-stellige Hilfsmittelnummer besitzt.
- In der Praxis lehnen Krankenkassen oder Sanitätshäuser Anträge ohne diese Kennung oft reflexartig ab. Rechtlich gesehen ist das jedoch falsch: Das GKV-Hilfsmittelverzeichnis ist laut ständiger Rechtsprechung des Bundessozialgerichts nicht abschließend und rechtlich nicht bindend, sondern dient lediglich als Orientierungs- und Auslegungshilfe.

0 Kommentare